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Ratgeber

ChatGPT im Unternehmen: was erlaubt ist und was sich wirklich lohnt

ChatGPT darf im Unternehmen genutzt werden, aber nicht über private Gratiskonten mit Kundendaten. Sinnvoll sind die Business-Versionen oder ein eigener Zugang über die Schnittstelle, eine kurze schriftliche Richtlinie und eine Einweisung – Maßnahmen zur KI-Kompetenz verlangt der EU AI Act ohnehin. Den größten Nutzen bringt es beim Schreiben und Vorbereiten, nicht beim Entscheiden.

Yusuf Senel · Aktualisiert: · 6 Min. Lesezeit

Die Lage in den meisten Betrieben

In fast jedem Betrieb, mit dem ich spreche, nutzt jemand ChatGPT – meistens über ein privates Konto, ohne dass die Geschäftsführung es weiß. Angebotsentwürfe, Mails an schwierige Kunden, Stellenanzeigen. Das ist verständlich, weil es funktioniert. Es ist aber auch das eigentliche Datenschutzproblem: Kundendaten landen in einem privaten Konto, über das der Betrieb keine Kontrolle hat.

Verbieten hilft erfahrungsgemäß wenig. Die Leute nutzen es dann am Handy weiter. Besser ist, einen offiziellen Weg anzubieten, der genauso bequem ist.

Privates Konto, Business-Version oder eigene Lösung?

Bei den Gratis- und Plus-Konten können Eingaben zum Training verwendet werden, sofern man das in den Einstellungen nicht abschaltet. Bei den Business-Angeboten von OpenAI (ChatGPT Business, ehemals Team, und Enterprise) und bei der Nutzung über die Schnittstelle werden Ihre Daten laut OpenAI standardmäßig nicht zum Training verwendet, und es gibt einen Auftragsverarbeitungsvertrag. Für Enterprise, Edu und die Schnittstelle bietet OpenAI inzwischen auch Datenhaltung in Europa an, für ChatGPT Business bisher nicht.

Eine eigene Lösung lohnt sich, sobald es um Ihre internen Unterlagen geht. Dann bekommt das Modell über eine RAG-Anbindung Zugriff auf Handbücher, Preise oder Vorlagen, und Sie können auch Modelle anderer Anbieter wie Anthropic Claude oder Mistral einsetzen.

Was der AI Act verlangt

Seit dem 2. Februar 2025 gilt Art. 4 AI Act zur KI-Kompetenz. Mit dem Digital Omnibus wurde er im Juli 2026 abgeschwächt: Unternehmen, die KI einsetzen, müssen jetzt Maßnahmen ergreifen, um die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten zu fördern – ein bestimmtes Niveau ist nicht mehr vorgeschrieben. Für einen Handwerksbetrieb heißt das praktisch keine Zertifizierung, sondern: eine Einweisung, was das Werkzeug kann, wo es Fehler macht und was nicht hineingehört. Halten Sie kurz schriftlich fest, wer wann eingewiesen wurde.

Eine Richtlinie auf einer Seite

Mehr als eine Seite liest niemand. Diese Punkte reichen für den Anfang:

  • Welches Werkzeug ist erlaubt, über welches Konto
  • Was nicht hineingehört: Gesundheitsdaten, Personalakten, Passwörter, vertrauliche Verträge
  • Kundennamen und Adressen nur in den freigegebenen Business-Zugang
  • Ergebnisse werden vor dem Versand von einem Menschen gelesen
  • Wer bei Fragen ansprechbar ist

Wo es im Alltag tatsächlich Zeit spart

Erste Entwürfe. Eine Antwort auf eine verärgerte Kundenmail, ein Angebotstext, eine Stellenanzeige, eine Zusammenfassung eines langen Dokuments. Die Qualität ist meist ordentlich, der Ton oft zu glatt – deshalb lohnt es sich, eigene Beispieltexte als Vorlage mitzugeben.

Weniger gut geeignet: alles, wo eine Zahl stimmen muss, ohne dass jemand nachrechnet. Sprachmodelle rechnen unzuverlässig und erfinden gelegentlich Quellen. Für Kalkulationen gehört die Tabelle weiter ins Tabellenprogramm.

Wann sich mehr als ChatGPT lohnt

Wenn immer wieder dieselben Abläufe von Hand in den Chat kopiert werden, ist das ein Zeichen: Hier gehört eine feste Anbindung hin. Zum Beispiel ein Postfach, das Anfragen selbst vorsortiert, oder ein interner Assistent, der Ihre eigenen Unterlagen kennt. Das kostet einmalig etwas, spart aber das tägliche Hin- und Herkopieren und den Datenschutzkopfschmerz.

Fragen

Häufige Fragen

Dürfen Mitarbeiter ChatGPT mit Kundendaten nutzen?

Nur über einen Zugang mit Auftragsverarbeitungsvertrag, also eine Business-Version oder die Schnittstelle – und auch dann nur so viel wie nötig. Über private Gratiskonten nicht.

Muss ich Mitarbeiter schulen?

Eine förmliche Schulung schreibt das Gesetz nicht vor. Art. 4 AI Act verlangt aber, dass Unternehmen Maßnahmen zur KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten ergreifen. Eine kurze, dokumentierte Einweisung ist für kleine Betriebe der praktikable Weg.

Kann ich ChatGPT mit unseren eigenen Dokumenten verbinden?

Ja, über eine eigene Integration mit RAG. Dann antwortet die KI aus Ihren Unterlagen, mit Quellenangabe und unter Beachtung von Berechtigungen.

Was, wenn ChatGPT etwas Falsches schreibt und es verschickt wird?

Dann haftet Ihr Betrieb wie bei jedem anderen Text. Deshalb gehört die Regel „vor dem Versand liest ein Mensch“ in jede Richtlinie.

Klingt das nach Ihrem Vorhaben?

Ein kurzes Gespräch reicht, um zu klären, was sinnvoll ist und was es ungefähr kostet. Danach entscheiden Sie in Ruhe.

Unverbindlich · Antwort am selben Werktag